Gewindedrehen auf der Drehmaschine Schritt für Schritt: Einstellungen, Drehzahl, Werkzeuge und Maßkontrolle

Gewindedrehen auf der Drehmaschine Schritt für Schritt: Einstellungen, Drehzahl, Werkzeuge und Maßkontrolle

Gewindedrehen auf der Drehmaschine Schritt für Schritt: Einstellungen, Drehzahl, Werkzeuge und Maßkontrolle | Blog - CORMAK

Gewindedrehen auf der Drehmaschine Schritt für Schritt: Einstellungen, Drehzahl, Werkzeuge und Maßkontrolle

Gewindedrehen auf der Drehmaschine ist eine der wichtigsten Operationen in der Zerspanung. Der Schlüssel zum Erfolg sind die korrekte Maschineneinstellung, das passende Werkzeug, eine sichere Drehzahl sowie die laufende Maßkontrolle. Unten findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der du Gewinde mit guter Oberfläche und passender Toleranz herstellen kannst.

1. Gewindeart und Parameter festlegen

Lege zunächst fest, welches Gewinde du herstellen willst:

  • metrisch (M) – Steigung in mm (z. B. M12x1,75),
  • Zollgewinde (UNC/UNF/BSP) – Gewindegänge pro Zoll (TPI),
  • Außengewinde oder Innengewinde,
  • Rechtsgewinde oder Linksgewinde.

Bestimme außerdem die Gewindelänge sowie ggf. eine Entlastungsnut (Freistich) für den Werkzeugauslauf.

2. Werkstück vorbereiten

Vor dem Gewindedrehen stelle die Basismaße her:

  • für Außengewinde – Nenndurchmesser (oft minimal kleiner für leichteres Fügen),
  • für Innengewinde – Kernloch (nach Bohrtabelle).

Eine kleine Fase 0,5–1 mm am Gewindeanfang erleichtert das Ansetzen und verbessert die Optik.

3. Gewindewerkzeug auswählen

Am häufigsten verwendet:

  • Gewindedrehmeißel mit Wendeschneidplatten (komfortabel und reproduzierbar),
  • HSS-Gewindedrehmeißel (günstig, gut zum Lernen und für Kleinserien),
  • Werkzeuge für Innengewinde (Gewindeausdrehstähle).

Die Schneidengeometrie muss zum Profil passen (z. B. 60° bei metrischem Gewinde). Stelle das Werkzeug exakt auf Spitzenhöhe ein.

4. Drehmaschine einstellen: Getriebe/Steigung, Vorschub und Kupplung

Bei konventionellen Drehmaschinen erfolgt das Gewindedrehen über die Leitspindel. Stelle ein:

  • Gewindesteigung laut Getriebetabelle (Wechselräder/Getriebestufen),
  • Drehrichtung (rechts/links),
  • korrekte Zuschaltung des Leitspindelvorschubs.

Wenn die Maschine eine Gewindeuhr hat, nutze sie zum Einrücken der Halbmutter im richtigen Moment.

5. Drehzahl (RPM) und Kühlung wählen

Beim Gewindedrehen nutzt man in der Regel niedrigere Drehzahlen als beim Längsdrehen, um Zeit zum Reagieren und Auslaufen des Werkzeugs zu haben.

  • Stahl: häufig 80–250 U/min (abhängig von Durchmesser und Werkstoff),
  • Aluminium: möglich schneller, aber mit Sicherheitsreserve,
  • Innengewinde: meist langsamer als Außengewinde.

Nutze Kühlschmierstoff oder Gewindeschneidöl – das verbessert die Oberfläche und reduziert Fressgefahr.

6. Oberschlitten einstellen (29–30°-Methode)

Eine gängige Technik ist, den Oberschlitten auf ca. 29–30° zur Achse zu stellen, sodass der Materialabtrag überwiegend über eine Flanke erfolgt. Das bringt:

  • bessere Oberfläche,
  • geringere Werkzeugbelastung,
  • leichtere Spanführung.

7. Schnitte mit steigender Gewindetiefe ausführen

Gewinde werden in mehreren Durchgängen geschnitten. Praxisregel:

  • erste Durchgänge – größerer Zustellwert,
  • letzte Durchgänge – kleine Zustellungen und ein „Feinschnitt“.

Ziehe das Werkzeug vor dem Rücklauf immer zurück (damit das Profil nicht beschädigt wird).

8. Maßkontrolle: Gewinde richtig prüfen

Die besten Prüfmethoden sind:

  • Mutter/Passstück – schnelle Passungsprüfung (Außengewinde),
  • Gewindeprüfringe (GO/NO-GO) – prozesssichere Kontrolle,
  • Dreidrahtmethode (Außengewinde) – sehr genaue Werkstattmethode,
  • Gewinde-Grenzlehrdorn (Innengewinde).

Tipp: Wenn das Gewinde „schwer geht“, nicht sofort stark tiefer schneiden – mache 1–2 leichte Durchgänge und prüfe erneut.

Häufige Probleme und schnelle Lösungen

  • Grat am Auslauf: Freistich/Entlastungsnut und Fase vorsehen, letzte Zustellung reduzieren.
  • Rattern/Vibrationen: Werkzeugüberhang verkürzen, Spannung verbessern, Drehzahl senken.
  • Falsche Steigung: Getriebeeinstellung und korrektes Einrücken der Halbmutter prüfen.
  • Zu flaches Profil: Zustellung schrittweise erhöhen und mit Lehre kontrollieren.

Fazit

Gewindedrehen erfordert Geduld und korrekte Einstellungen: Steigung, Drehzahl, Werkzeug und Passungskontrolle. Mit einer steifen Maschine und gutem Zubehör erzielst du reproduzierbare Ergebnisse – sowohl bei Einzelteilen als auch in der Fertigung. Wenn du eine solide Basis für präzises Gewindedrehen suchst, sieh dir CORMAK Drehmaschinen an.

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